Forschung
Die Forschung zur Früherkennung und Frühbehandlung besitzt eine lange Tradition in der Psychiatrie, ist aber
in ihrer praktischen Umsetzung erst wenige Jahre alt. Dabei kommt der Früherkennung eine entscheidende Rolle
zu, um seelische Gesundheit zu erhalten. Die zentralen Fragen dabei lauten: Welche Indikatoren lassen auf ein
erhöhtes Erkrankungsrisiko schließen? Wie ist es möglich, vorherzusagen, welche Menschen erkranken werden und
welche nicht? Weiterer Forschungsbedarf ergibt sich im Bereich der Frühbehandlung. Welche Behandlungsart ist
die wirksamste Therapie? Für welche Menschen in welchem Risikostadium ist welche Behandlung die richtige? Die
Antworten auf diese Fragen setzen umfangreiche kontrollierte Interventionsstudien voraus. Erst so lassen sich
verlässliche Aussagen über die Qualität einer präventiven Behandlung treffen.
Die wissenschaftliche Arbeit des FETZ gilt der Entwicklung
von Kriterien und Modellen für die Vorhersage von psychischen Störungen sowie von präventiven Interventionen.
Bei der Entwicklung von entsprechenden Vorhersagemodellen verfolgen wir einen Mehrebenenansatz. Hierzu
gehören neben der Psychopathologie vor allem neuropsychologische und neurophysiologische Parameter sowie die
strukturelle und funktionelle Bildgebung.
Im Bereich der Behandlung und Prävention beforscht das FETZ
sowohl psychologische als auch pharmakologische Therapieansätze. Ziel ist es, langfristig eine an das
individuelle klinische Bild und den individuellen Risikostatus angepasste Interventionsstrategie zu
entwickeln.
Zum Beispiel koordinierte das FETZ die "European Prediction
of Psychosis Study EPOS" – eine Verlaufsstudie zur Verbesserung der Vorhersagemöglichkeiten psychischer
Erkrankungen – in Zusammenarbeit mit Partnern aus den Niederlanden, Finnland, England und Spanien. Auch die
bundesweiten Aktivitäten im Projektverbund "Früherkennung und Frühbehandlung" des Kompetenznetzes
Schizophrenie, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Forschungsverbund der
führenden Forschungsinstitute sowie Versorgungseinrichtungen, gestaltet das FETZ maßgeblich mit. In Köln wurde weltweit erstmals eine Studie zur psychotherapeutischen
Intervention bei Menschen mit erhöhtem Psychoserisiko durchgeführt. Erste Ergebnisse zeigen den positiven
Effekt der Behandlung.
In Zusammenarbeit mit Früherkennungszentren in Bonn, Düsseldorf, Aachen, Berlin, München und Göttingen wird
unter Kölner Koordination und unter Beteiligung des Zentrums für Klinische Studien Köln (ZKS Köln) eine
randomisierte, kontrollierte Therapiestudie zur Frühintervention von Psychosen durchgeführt. International
liegen derzeit mehrere Studien vor, die sowohl für psychotherapeutische als auch für pharmakologische
Behandlungsstrategien auf eine gute Wirksamkeit in der Frühphase von Psychosen hinweisen, ohne dass diese
beiden Behandlungsansätze bislang jemals direkt miteinander hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Vermeidung
einer ersten psychotischen Episode verglichen wurden. Diese Wissenslücke soll mit PREVENT nun geschlossen
werden, so dass die Studie damit auch eine internationale Vorreiterposition bei der Erforschung der
bestmöglichen Behandlung von Menschen mit einem erhöhten Risiko für psychotische Erkrankungen besitzt. In
PREVENT wird die medikamentöse Behandlung mit dem atypischen Antipsychotikum Aripiprazol (Abilify ®) mit
einer Placebo-Medikation sowie einer Psychotherapie (Kognitive Verhaltenstherapie) bei Personen mit einem
nach ihrem Beschwerdebild erhöhten Risiko für die Entwicklung einer ersten psychotischen Episode verglichen.
Dabei stehen vor allem die Verhinderung des Auftretens einer Psychose (Sekundärprävention) und die Milderung
der aktuellen Symptomatik im Vordergrund.
Die im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission geförderte “European
Gene Environment Interaction Study” (EU-GEI) wird noch im Jahr 2010 anlaufen und zielt darauf ab, über
einen Zeitraum von fünf Jahreninteragierende genetische, klinische und umweltbezogene Einflussfaktoren für
Entwicklung, Ausprägung und Erkrankungsfolgen schizophrener Psychosen zu identifizieren.
Die detaillierte Analyse des Zusammenspiels von Risiko- und Schutzfaktoren soll in der Folge die frühe
Prädiktion eines Übergangs von einem Risikostatus in eine manifeste klinische Störung oder dessen Ausbleiben
sowie den Verlauf im Falle eines stattgehabten Übergangs verbessern helfen. Zu diesem Zweck sollen auf Basis
der Studienbefunde multidimensionale Algorithmen zur Abschätzung des individuellen Risikos entwickelt werden,
um insbesondere den Anteil falsch positiver Vorhersagen zu reduzieren.
Die multizentrische Studie wird von der Universität Maastricht, Niederlande, koordiniert.
Nähere Informationen zu Projekten und Publikationen des FETZ finden Sie auf den entsprechenden
Informationsseiten des FETZ.