Öffentlichkeitsarbeit
Der Kölner Verein für seelische Gesundheit KVsG e.V. unterstützt über
Personalmittel die Öffentlichkeits- und Antistigma-Kampagnen des FETZ,
die insbesondere auf Jugendliche bzw. Schüler abzielen, da psychische
Erkrankungen in dieser Altersgruppe das Gros der schwerwiegenden
Erkrankungen ausmachen.
Das Anti-Stigma-Lernpaket für Schulen
Aufklärung über Wirkweise von Cannabis und Folgen des Cannabiskonsums
Lehrerseminare
Das Anti-Stigma-Lernpaket für Schulen
In Kooperation mit dem Schul- und Kultusreferat der Landeshauptstadt
München hat das Münchner Bündnis für Psychisch Erkrankte Menschen
(BASTA)
ein Lernpaket mit dem Ziel der Anti-Stigmatisierung psychischer
Erkrankungen entwickelt, das in mehreren Fachbereichen (u.a.
Psychologie, Ethik, Religion, Deutsch und Sozialkunde) aller Schularten
für Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren eingesetzt werden und im
FETZ
entliehen werden kann. Mit dem Lernpaket werden die Schüler damit
vertraut gemacht, was es für Betroffene bedeutet, psychisch krank zu
sein. Ziel der verschiedenen Unterrichtseinheiten ist das Aufbrechen
von Denkschablonen und damit der Abbau von Vorurteilen. Der Schwerpunkt
dieses Projekts liegt auf der Informationsweitergabe über das
subjektive Erleben psychisch Erkrankter und die Wissenserweiterung
bezüglich der Diskriminierung im Alltag, daneben aber auch in der - für
viele Schüler neuen - Erfahrung im Umgang mit psychisch Kranken.
Wichtigster Bestandteil hierfür ist die persönliche Begegnung mit
Psychiatrie-Erfahrenen. Ziel ist der Abbau von Vorurteilen gegenüber
psychisch Erkrankten und die Entmystifizierung einer Randgruppe. Am
Schulprojekt teilnehmende Schüler/innen sollten danach in der Lage
sein, offen, sensibel und mit dem nötigen Respekt mit Menschen
umzugehen, die "anders" sind. Das Lernpaket soll zur Reflexion über das
soziale Gefüge der Gesellschaft und die Position von Minderheiten im
alltäglichen Umfeld anregen.
Darüber hinaus sind es aber auch oftmals
die eigenen Vorurteile und Ängste gegenüber psychischen Erkrankungen
und hiervon Betroffenen, die Personen daran hindern, frühzeitig selbst
Hilfe für psychische Beschwerden zu suchen. Diese "Vogel
Strauß"-Politik, kann in der Folge zu der Verfestigung der psychischen
Beschwerden und einer schlechteren Behandelbarkeit führen. Unter den
schweren Erkrankungen des Jugendalters stehen aber gerade die schamvoll
oftmals verschwiegenen psychischen Störungen an erster Stelle! Somit
sollte eine Entstigmatisierung auch zu einem verbesserten
Gesundheitsverhalten der Schüler hinsichtlich der eigenen Psyche
beitragen.
Des Weiteren bietet das FETZ
Schulen in Köln und näherer Umgebung an, vor
Ort in Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern Unterrichtseinheiten
zum Thema seelische Gesundheit und ihren möglichen Störungen sowie Möglichkeiten
zur Prävention und Behandlung zu gestalten.
Wir stellen hierzu verschiedene, unabhängig voneinander einsetzbare Module
zur Verfügung, darunter auch eine spezielle Unterrichtseinheit zum Thema Cannabis.
Das Konzept der kombinierbaren Module wurde in unserem Zentrum entwickelt, um Schülerinnen
und Schüler ein Bewusstsein für die eigene seelische Gesundheit sowie gesundheitsförderliches
Verhalten zu vermitteln, sie über psychische Erkrankungen aufzuklären und für Anzeichen
einer möglicherweise sich entwickelnden Störung der seelischen Gesundheit bei sich selbst
oder im Freundes- und Bekanntenkreis zu sensibilisieren. Zudem soll die Schülerschaft über
Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung bei psychischen Krisen aufgeklärt werden.
Gern bieten wir auch die Möglichkeit, unser Zentrum zu besuchen und sich vor Ort zu informieren.
Bei Interesse an den Präventions- und Aufklärungsangeboten für Schulen wenden Sie sich bitte an
Frau Dipl.-Psych. Julia Paruch, Ltd. Psychologin des FETZ
, unter der Durchwahl 0221-478 6098 (alternativ:
Anrufbeantworter unter 0221-478 4042 oder per E-Mail an
projektleitung@fetz.org).
Aufklärung über Wirkweise von Cannabis und Folgen des Cannabiskonsums
Cannabis ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge in der Bundesrepublik Deutschland.
Hiervon sind besonders Jugendliche betroffen, die sich noch in der schulischen Orientierungsphase
befinden. 31% der Schüler/innen der 9.-10. Klasse hatten 2005 schon einmal Cannabis konsumiert, bei den
18-34jährigen betrug der Anteil 42,7% - Tendenz steigend bei sinkendem Einstiegsalter.
Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge konsumieren etwa 97% der betroffenen Jugendlichen
Cannabis auch während der Schulzeit.
Nach einem Jahrzehnt des rapiden Anstiegs berichtete Deutschland 2007 erstmals wieder ein Sinken der
Verbreitung des Cannabiskonsums. Dieser Trend fand im Jahr 2008 seine Fortsetzung. Allerdings haben nach
telefonischer Selbstauskunft immerhin 38,9% der 18-und 19-jährigen befragten Männer (25.3% der Frauen)
Cannabis zumindest probiert und 18.6% (9% der Frauen) im Jahr vor der Untersuchung Cannabis konsumiert (BZgA,
2007). Da Cannabis eine in Deutschland nicht legal erhältliche Substanz ist, sind die Zahlen also immer noch
bemerkenswert hoch.
Die sinkenden Konsumprävalenzen sind dabei vermutlich im Zusammenhang mit einer realistischeren
Risikoeinschätzung bezüglich Cannabis aufgrund eines verbesserten Informationsstandes zu sehen (Drogen- und
Suchtbericht 2009), was zum Beispiel auch explizit für Spanien (UNODC 2007), England und Wales, sowie
Frankreich vorgeschlagen wird. So lassen empirische Studien vermuten, dass eine erhöhte Risikoeinschätzung
als protektiver Faktor für den Konsumbeginn angesehen werden kann (Pechmann, 2001; Kilmer et al., 2007).
Einen europäischen Vergleich der Risikoeinschätzungen bezüglich Cannabis bietet das Eurobarometer (EOS Gallup
Europe, 2004).
Parallel zu diesen Entwicklungen zeigen die Auswertungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
von 2009 jedoch, dass die Zahl der regelmäßig Konsumierenden trotz der sinkenden Zahlen immer noch
alarmierend hoch ist.
So gehen Experten davon aus, dass in Deutschland insgesamt ca. 600.000 Menschen zwischen 18 und 64 Jahren
Cannabis entweder missbrauchen oder von Cannabis abhängig sind (Drogen- und Suchtbericht 2009). Die
problematischen Folgeerscheinungen des fortgesetzten Cannabiskonsums betreffen dabei vor allem die seelische
Gesundheit: Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit, der sozialen, schulischen und beruflichen
Rollenerfüllung sowie des Antriebs können auftreten, weiterhin kann es zur Entwicklung von psychotischen
Syndromen kommen. Da dauerhafter Cannabiskonsum zudem zu einer spezifischen Abhängigkeit führen kann, zu
deren Behandlung inzwischen sogar stationäre Cannabisentwöhnungsprogramme entwickelt wurden, kann hieraus
eine chronische und tief greifende Störung der persönlichen Entwicklung resultieren.
Daher bieten wir im Rahmen einer Informationsveranstaltung, die auch in Kombination mit dem BASTA-Lernpaket
durchgeführt werden kann, eine Aufklärung über die mit dem Cannabiskonsum verbundenen Risiken und deren
Grundlagen direkt vor Ort an Schulen (auch Jugendzentren, Berufsschulen, Beratungsstellen etc.) an, wobei vor
allem auch der Aspekt der Prävention eine Berücksichtigung findet, um über die ausführliche Information einem
möglichen Missbrauch vorzubeugen. Für Schüler, die bereits einen problematischen Cannabiskonsum aufweisen,
ist zudem die Option einer Teilnahme an unserem Kurzzeit-Programm zum "Einstieg in den Ausstieg" gegeben.
Weitere Fragen zu den Cannabis-bezogenen Angeboten des FETZ
beantwortet Ihnen gern Frau Meike Neumann,
Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin dienstags, mittwochs und donnerstags unter 0221-478
87164 oder per E-Mail an
cannabis@fetz.org.
Siehe auch FETZ-Netzwerkbrief 1/2005
sowie die entsprechende
Informationsseite des FETZ.
Lehrerseminare und Prävention an Schulen
Im Rahmen individualisierter Seminare sollen Lehrerinnen und Lehrern grundlegende Kenntnisse über seelische
Gesundheit, psychische Erkrankungen, Risiko- und Schutzfaktoren sowie mögliche Anzeichen einer Störung der
seelischen Gesundheit vermittelt werden. Zudem sollen die Teilnehmer mit Möglichkeiten der Unterstützung,
Beratung und Hilfestellung vertraut gemacht werden, wenn sie den Eindruck haben, ein Schüler oder eine
Schülerin benötige diese.
Sollten Sie einer anderen Berufsgruppe angehören, deren Tätigkeit Fragestellungen wie die oben genannten
aufwirft, und bei deren Klärung Unterstützung wünschen, können Sie sich ebenfalls gerne an uns wenden.
Bei Interesse an unseren Schulungsangeboten wenden Sie sich bitte per E-Mail an Herrn Priv.-Doz. Dr. med.
Stephan Ruhrmann und Frau Dipl.-Psych. Julia Paruch unter:
projektleitung@fetz.org.