Die prädiktive Medizin entwickelt sich auch im Bereich der Alzheimer-Erkrankung schnell weiter und es ist zu erwarten, dass Prädiktion für das Gesundheitswesen immer wesentlicher wird. Es zeichnet sich ein Paradigmenwechsel in der Medizin ab, bei dem Diagnostik und Therapie durch Prädiktion und Prävention ergänzt oder sogar ersetzt wird. Dies führt neben verbesserten Möglichkeiten der medizinischen Versorgung, auch zu tiefgreifenden Auswirkungen auf das Leben des Einzelnen, auf das Gesundheitssystem und auf unsere Gesellschaft. Mit dem Projekt PreTAD (Prädiktion der Alzheimer-Erkrankung: Ethische, klinische, linguistische und rechtliche Aspekte des Paradigmenwechsels zu einer prädiktiven Medizin) erfasst ein interdisziplinäres Forschungsteam in Deutschland, Spanien und der Schweiz unterschiedliche Perspektiven und individuelle Bedürfnisse der Menschen in Bezug auf die Risikovorhersage der Alzheimer-Demenz und ergründet die Auswirkungen des Paradigmenwechsels in der Medizin auf individueller, sprachlicher, rechtlicher und gesellschaftlicher Ebene. Durch die Neuerungen, die Prädiktionsmöglichkeiten mit sich bringen, werden beispielsweise gewohnte Annahmen über medizinische Abläufe und Begriffe (wie „Diagnose“) und die Verständnissicherung bei der Beratung auf die Probe gestellt. Auf der Basis der Projektergebnisse sollen Praxisempfehlungen für den Umgang mit den Möglichkeiten der prädiktiven Medizin für den Bereich der Alzheimer-Erkrankung gegeben werden.
Publikation: Gerards, M., Baumeister, A., Hübner, C., Ribaldi, F., Cantero-Fortiz, Y., Braun, J., Boada, M., Frisoni, G. B., Jessen, F., Schmitz-Luhn, B., Schwegler, C., Woopen, C., & Rostamzadeh, A. (2025). Dementia risk estimation in persons at risk and the predictive turn in Alzheimer's disease-The PreTAD project: Study protocol with an ethical, clinical, linguistic, and legal approach. PloS one, 20(7), e0319868. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0319868
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen können etwa 30-40% aller Fälle von Demenz auf behandelbare Risikofaktoren zurückgeführt werden. Zu diesen Risikofaktoren gehören Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, aber auch weniger bekannte Faktoren wie soziale Isolation, Schlaf oder Stress können bei der Entstehung einer Demenz eine wichtige Rolle spielen.
Im Rahmen der INSPIRATION-Studie wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über die Häufigkeit und Verteilung der Risikofaktoren für Demenzerkrankungen in der Bevölkerung gesammelt. Anhand
ausgewählter Fragebogen, einer neuropsychologischen Testung und Blutanalysen erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie ein persönliches Risikoprofil und auf wissenschaftlichen
Erkenntnissen basierende Empfehlungen zur Risikominimierung.
Publikation: Zeyen, P., Sannemann, L., Bohr, L., Escher, C., Müller, T., Ramírez, A., Rostamzadeh, A. & Jessen, F. (2023).
Brain Health Services: Erfassung des individuellen Demenzrisikos am Kölner Alzheimer Präventionszentrum.
Der Nervenarzt, 94(5), 392-399. doi: doi.org/10.1007/s00115-023-01451-1
Bei AMYPAD handelt es sich um EU-weites Projekt, bei dem eine sogenannten Amyloid-PET Untersuchung durchgeführt wird. Mit Hilfe dieser Untersuchung können Ablagerungen des Amyloid-Eiweißes im menschlichen Gehirn nachgewiesen werden. Diese Amyloid-Ablagerungen werden auch als Amyloid-Plaques bezeichnet und sind ein typisches Kennzeichen der Alzheimer-Krankheit.
Die Datenerhebung von AMYPAD ist mittlerweile abgeschlossen. Zahlreiche internationale Publikationen auch mit Autoren und Autorinnen aus dem KAP finden sich hier: https://amypad.eu/resources/publications/
